Dr. Falk Richter, Dipl.-Psych.

Dr. Falk Richter,
Dresden




11.03.2012:

Ältere jetzt mit besseren Chancen am Arbeitsmarkt?

Tags: Demografischer Wandel und Fachkräftemangel


Die folgende aktuelle Meldung liest sich auf den ersten Blick recht erfreulich:

ARBEITSKRÄFTE: Deutsche Wirtschaft ist auf alte Menschen angewiesen
(WELT ONLINE)

Ältere Arbeitnehmer seien demnach immer mehr gefragt.

Der Anteil der älteren Beschäftigten hat in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen. Vor allem aufgrund des Auslaufens gewisser Frühverrentungsmodelle. Aber sollten z.B. ältere Bewerber mittlerweile bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben? Mein Eindruck ist ein anderer...

Im weiteren liest sich der Artikel auch eher wie eine Liste von politischen Forderungen und Verlautbarungen.

Der schwarzgelben Bundesregierung sowie Teilen der Wirtschaft geht es aktuell vor allem darum, die Akzeptanz für ein höheres Renteneintrittsalter zu erhöhen. Und es wird einmal wieder Flexibilität gefordert. Natürlich in erster Linie von den Arbeitnehmern.

Insbesondere die zitierte Äußerung des Direktors des "Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit" "Wer lange arbeitet, bekommt höhere Bezüge, wer früher aufhört, muss Abschläge in Kauf nehmen." bereitet aus arbeitswissenschaftlicher Sicht erhebliche Bauchschmerzen.

Als liege es nur an der Motivation älterer Beschäftigter und Bewerber!

Die Forderung nach Abschlägen im Falle einer früheren Verrentung ist vor allem ein Schlag in's Gesicht all derer, die sich über ihr ganzes Arbeitsleben hinweg unter besonders belastenden Arbeitsbedingungen abgerackert haben!

Nach Angaben der Rentenversicherungsträger beendeten im Jahr 2004 beispielsweise 86 Prozent der Bergleute ihre Arbeitstätigkeit vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter, bei den Maurern immerhin noch 37 Prozent. In der Berufsgruppe der Ingenieure waren es dagegen nur 9 Prozent und bei den Ärzten nur 3 Prozent. Statistiken der Krankenkassen verweisen ebenfalls auf deutliche Unterschiede im Krankenstand zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen. Es dürfte einleuchten, dass diese Unterschiede in der Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten auf unterschiedliche Anforderungen und physische wie auch psychische Belastungen zurückzuführen sind.

Es genügt daher nicht, Forderungen an die Beschäftigten zu stellen, doch möglichst lange zu arbeiten. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Unternehmen, auch dazu beizutragen, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten lange zu erhalten - wie es letztlich auch im Arbeitsschutzgesetz festgelegt ist. Das gilt gleichermaßen für Bedingungen am Arbeitsplatz und in der Organisation, die zum Erhalt der Lernfähigkeit und Lernmotivation beitragen.

Entgegen weitverbreiteter Vorurteile lässt sich jedenfalls feststellen: Ältere Beschäftigte sind im Durchschnitt bei der Bewältigung von arbeitsplatzbezogenen Anforderungen, kreativen Anforderungen und Lernanforderungen ähnlich gut wie jüngere Mitarbeiter !

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